Samstag, 21 Oktober 2017 21:04

Erst der Kerl, dann die Immobilie! Empfehlung

geschrieben von
Artikel bewerten
(2 Stimmen)

Die Zuwanderung insbesondere in die Städte macht sich auch bei mir in der hintersten Ecke Brandenburgs, im  Oderbruch bemerkbar. Weniger durch hinzugezogene junge Burschen, die optisch unübersehbar einen Migrationshintergrund haben und die Innenstadt beleben, als vielmehr durch junge Familien oder alleinstehende Frauen auf der Suche nach Immobilien, die zum Verkauf anstehen. Man will der Großstadt Berlin entfliehen, das liegt erkennbar im Trend!

Seit ich nun seit 14 Tagen durch das Holz, das Xavier mir vor die Tür geworfen hat, vor meiner in die Jahre gekommenen Villa Holz säge, spalte und aufschichte, komme ich immer wieder ins Gespräch mit den Immobiliensuchenden aus der Stadt. Völlig verschwitzt und verdreckt vom Holzaufschichten sind diese neugierigen Menschen für mich eine willkommene Ablenkung von der schweißtreibenden Brennholzbeschaffung. Zudem steht meine Villa seit einigen Wochen zum Verkauf und trotz des Sanierungsbedarfes melden sich erstaunlich viele Interessenten, ohne dass es jedoch zum Verkauf kommt.

Die Gespräche drehen sich bei den alleinstehenden Damen immer um das gleiche Thema.
Neben dem erkennbaren fast panikartigem Drang, die übervölkerte und sich immer weiter überfremdende Hauptstadt zu verlassen, ist es eine unfähige Senatsverwaltung, die vor dem Massenzuzug schon seit geraumer Zeit kapituliert hat, die den Wegzug verstärkt. Es die Sehnsucht nach der gesunden Natur und dem stressfreien Landleben, warum sich vor allem Frauen auf die Suche nach Wohnraum auf dem Land machen.

Das Land bietet natürlich besonders jetzt in den unsicheren Zeiten viel, was den Menschen die Angst vor der Zukunft nimmt. Man kann sich hier auf dem Land zumindest teilweise selbst versorgen, die Mieten sind erschwinglich und es finden sich nicht wenige Immobilien, die seit der Wende darauf warten, von einem Idealisten mit Baukenntnissen wachgeküsst zu werden. Der direkte und persönliche Kontakt zu den Einheimischen  wirkt auf den Städter, der nur die Anonymität der Großstadt kennt, vertrauenserweckend und wohl auch etwas gemütlich.  

Doch nach den nicht mehr zählbaren Gesprächen und auch Rundfahrten, bei denen ich mit Städtern leerstehende Immobilien besichtigt habe, wäre mir heute beinahe der Kragen geplatzt. Deshalb hier mein allgemeiner Aufruf an alle Mädels, die sich mit dem Gedanken tragen, aus der Stadt  auszuwandern und auf das  Land übersiedeln wollen.


Liebe stadtflüchtigen Mädels,

bevor ihr hier ins Oderbruch kommt oder in irgendein anderes gottverlassenes Nest und eine Immobilie sucht, bitte geherzigt folgende Grundregel, die da lautet;

„Sucht Euch erst einen Kerl und dann eine Immobilie, aber bitte nicht umgekehrt!“

Fast alle Immobilien auf dem Land, die fertig saniert sind, sind fast genauso teuer, wie in der Stadt. Zwar gibt es viele erschwingliche Immobilien, aber die sind oft derart sanierungsbedürftig, dass die Sanierung mittels Handwerker unbezahlbar wird.

Bevor ihr Euch also auf die Suche nach einer solchen erschwinglichen sanierungsbedürftigen Immobilie macht, gilt es den passenden Mann zu suchen. Umgekehrt geht es garantiert in die Hose!

Bei der Erstellung des Suchprofils gelten folgende Kriterien:

Nachweislich hat er einen Facharbeiterbrief aus dem Baugewerbe, idealerweise Elektriker oder Heizungs/Sanitärtechnik, dort fallen nämlich die extrem teuren Sanierungsarbeiten an.

Maurer, Verputzer oder Schreiner geht auch. Wenn er über 40 Jahre alt ist, beherrscht er in der Regel mehrere Gewerke.

Bitte keine Akademiker, keine Juristen, Betriebswirte oder Sozalpädagogen! Zwar finden die Eure Idee toll, sind aber für das Projekt der Sanierung völlig unbrauchbar, weil sie nur rumstehen und dumme Sprüche klopfen.

Doch selbst wenn die Baumaßnahmen irgendwann in den Hintergrund treten, kommt man um einen echten Kerl nicht herum. Ein 40 kg Wildschwein für 1,80 Euro vom Jäger muss  abgeschwartet, zerwirkt und portioniert werden. Läßt man es vom Metzger machen, ist die Ersparnis wieder weg.

Und auch wenn viele Dörfler das teure Gas oder Öl sparen und durch Holz aus dem nahen Wald ersetzen, bleibt das Spalten, Schichten und Hochtragen von 10 Festmeter im Jahr. Selbst für eine kräftige Frau kaum zu schaffen.
 
Frisches Gemüse und Salat aus dem Krautgarten, den es auf dem Land fast umsonst zu pachten gibt, hat einen großen Reiz, aber wer mal so einen Krautgarten umgegraben hat und Mist eingearbeitet hat, der weiß, was er am Abend getan hat. Ohne eingearbeiteten Mist wächst da irgendwann nichts mehr.

Immer wieder stelle ich fest, wie ich bei den Gesprächen um das Landleben die Romantik, die das Landleben beim Städter umgibt, zerstöre. Doch das Landleben ist auch heute noch geprägt von körperlicher Arbeit und Entbehrungen, die nur in einer Partnerschaft zu schultern sind. Ohne einen Partner, der zupacken kann, wird aus der verklärten Landliebe der Mädels schnell Frust und ein Projekt ohne Zufriedenheit.

Mittlerweile sollen über 50 % der Partnerschaften durch das Internet zustande kommen. Für jede Frau, die den Grundsatz „Erst einen Kerl, dann die Immobilie“ beherzigt, findet im Internet für dieses Problem die ideale Lösung auf Datingportalen.

Waidmannsheil

Euer

Stefan

 

Der Traum eines jeden Landmenschen: Luxussanierte Villa Paulina im Oderbruch. Nach über  25 Jahren  -überwiegend in Eigenleistung- wurde aus dem heruntergekommenen Haus die Prachtvilla "Paulina", ein Refugium im Oderbruch. 25 Jahre Blut, Schweiß und Tränen...  

 

Gelesen 1328 mal Letzte Änderung am Dienstag, 18 Dezember 2018 16:22
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten